Probleme mit harten Öffnungen


(das ist eine Übersetzung eines Artikel von Timothey Scott Wagner, Performance Designs Inc.)

 

ACHTUNG: Harte Öffnungen können die Ausrüstung beschädigen, ernsthafte Verletzungen hervorrufen oder sogar tödlich enden. Um dieses Risiko zu minimieren, ist unbedingt die Packanleitung (Owners Manual) aufmerksam zu lesen. Die nachfolgenden Information dienen als weitere Unterstützung.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Öffnungseigenschaften von Fallschirmen. Einige dieser Faktoren, die bereits bei der Schirmwahl mitbestimmt werden, sind der Typ der Kappe und der Typ der Fangleinen. Zum Beispiel wird der Öffnungsstoß, der auf den Springer übertragen wird, durch die Fangleinen wesentlich vermindert.

Microlines dehnen sich weniger als Draconlines, daher wird mit Microlines ein höher Öffnungsstoß übertragen. Alle Kappen haben ihre eigenen Öffnungseigenschaften. Es ist jedoch so, dass jede Öffnung auch wesentlich von Faktoren abhängt, die nur der Springer unter Kontrolle hat. Wenn man diese Dinge außer acht lässt, kann das zu Beschädigungen der Ausrüstung sowie zu schweren bis hin zu tödlichen Verletzungen führen.

Es ist daher unumgänglich, dass jeder Springer diese ihn selber betreffenden Faktoren genau kennt. Diese stehen in Wechselbeziehung zueinander und gliedern sich wie folgt:

  1. Packmethode
  1. Faltung der Hauptkappe
  2. Sliderposition
  3. Einstecken der Kappe in den POD
  1. Einschlaufmethode
  2. Hilfsschirm (Pilot chute)
  3. Öffnungsgeschwindigkeit

 

1. Packmethode

a) Faltung der Hauptkappe:

Es wird dringend empfohlen, dass nur gemäß der Packanleitung, die mit der Kappe vom Hersteller ausgeliefert wird, gepackt wird. Andere Methoden werden nicht empfohlen, auch nicht die manchmal verwendete "briefcase" oder "roll pack" Methode. Andere Packweisen begünstigen ein asymmetrisches Luftfüllen der Kappe, welches wieder zu harten Öffnungen führt.

 

b) Sliderposition:

Die exakte Sliderpostion innerhalb der Packung beeinflusst ganz wesentlich die Öffnung. Es ist wichtig, dass der Slider ganz oben an der Hauptkappe zu liegen kommt. Alle Ösen des Sliders müssen direkt an die Stabilisatoren anschließen. Bereits wenige Zentimeter, die der Slider unterhalb der Stabilisatoren zu liegen kommt, genügen, um bei der Öffnung diesen abrupt nach unten zu schleudern. Das ist ein bekanntes Problem bei der "briefcase" und "roll pack" Methode.

Auch die genaue Lage des Sliders beeinflusst die Öffnung. Die Mitte des Sliders sollte in der Mitte der mittleren Zelle zu liegen kommen. Außerdem sollte man den Slider sauber auslegen. Die genaue Lage ist der jeweiligen Packanleitung zu entnehmen.

 

c) Einstecken der Kappe in den Pod:

Die saubere Lage der einzelnen Zellen und die des Sliders muss während des Einsteckens beibehalten werden. Wenn sich hier eine gewisse Unordnung ergibt, wird der Schirm auch unordentlich aus der Verpackung herauskommen. Speziell wenn der Slider auch nur ein paar Zentimeter während des Einsteckens nach unten rutscht, wirst Du während der Öffnung sehr stark daran erinnert. Die Fertigkeit, den Schirm ordentlich im Pod zu verstauen, musst Du unbedingt beherrschen. Die Packanleitung gibt Dir Hinweise, wie Du das am besten bewerkstelligst. Folge unbedingt diesen Anweisungen, ansonsten kannst Du Dich als echten Testspringer bezeichnen.

 

2. Einschlaufen der Fangleinen

Während der Öffnung sollten die Leinen so freigegeben werden, wie sie eingeschlauft wurden. Das klingt zwar logisch, ist aber nicht so einfach wie es scheint. Sobald der Hilfsschirm den Pod aus dem Container zieht, bremst er diesen sofort ab. Das bedeutet, der Pod hat weniger Freifallgeschwindigkeit als der Springer. Die Gesetzte der Schwerkraft besagen, dass die Fangleinen aber immer noch dieselbe Geschwindigkeit wie der Springer hätten, wenn nicht eine Kraft (die der Packgummis) dem entgegen wirken würden.

Wenn nun die Leinen nicht fest genug von den Gummis gehalten werden, rutschen sie alle zum selben Zeitpunkt aus den Gummis und aus der Verpackung. Das nennt man einen "line dump" und kann zu einer ganzen Reihe von Öffnungsproblemen führen. Wenn die Schlaufen den Pod und damit den Schirm freigeben, öffnet dieser, bevor die volle Streckung der Leinen erreicht wurde. Der Schirm füllt sich augenblicklich mit Luft, während die Leinen noch irgendwo herumschwirren. Wenn der Springer nun mit Endgeschwindigkeit unterwegs ist und endlich die volle Streckung der Leinen erreicht, hat er bereits eine offene Kappe. Der Öffnungsstoß wird brutal ausfallen! Dieses Szenario kann Dich ernsthaft verletzten. Um das zu vermeiden, müssen die Gummis die Fangleinen fest genug halten, damit sie in der richtigen Reihenfolge ausschlaufen. Die Kraft, die benötigt wird, um die Leinen auszuschlaufen, sollte in etwa 3 bis 6 Kilopond betragen.
Größere schwerere Kappen sollten etwas fester eingeschlauft werden, das gilt auch für Kappen, die immer in der Endgeschwindigkeit geöffnet werden. Du kannst Deine Gummis etwas fester machen, falls sie zu wenig halten. Falls Du "Tube Stoes" verwendest, lese die Instruktionen, die mit diesen ausgeliefert werden. Normale Packgummis kannst Du auf die selbe Art und Weise festigen. Ersetzte in jedem Fall die Packgummis, egal ob Tubes oder normale Gummis, wenn sie schon etwas mitgenommen aussehen. Warte nicht, bis sie reißen!

Die Schlaufenlänge sollte zwischen 5 und 7 Zentimeter betragen. Manche Springer schlaufen kürzer ein, weil sie die so genannten "baglocks" (Zuhalten des Pods durch die Gummis) befürchten. Das ist keine gute Idee! Kurze Schlaufen verhindern keine "baglocks", aber begünstigen den "line dump", und zwar deswegen, weil sie nur eine sehr kurze Strecke ausschlaufen müssen, bevor sie den Pod freigeben. Beachte, dass ein "line dump" wesentlich gefährlicher ist als ein "baglock", da er Situationen hervorrufen kann, in denen der Springer nichts mehr gegen die Störung machen kann.

 

3. Hilfsschirm (Pilot chute)

Der Hilfsschirm hat enorme Auswirkungen auf die Öffnung. Die Größe, die Länge des Bridles (Verbindungsleine zum Schirm), die Größe des Netzes und das aerodynamische Profil beeinflussen die Öffnung. Einige Hilfsschirme haben eine zu große Zugkraft in der Endgeschwindigkeit. Das kann zu folgenden Problemen führen:

  1. Der Hilfsschirm bremst die Geschwindigkeit des Pods zu stark ab, das kann zu einem "line dump" führen.
  2. Sobald der Springer die volle Streckung der Leinen erreicht hat, beschleunigt er die zu diesem Zeitpunkt langsamere Kappe wieder auf seine Geschwindigkeit, weil er ja mit den Fangleinen direkt mit der Kappe verbunden ist. Das ist die erste Kraft, die der Springer spürt. (Einen Augenblick später füllt sich die Kappe mit Luft und wird wieder langsamer). Ein Hilfsschirm mit zuviel Zugkraft bremst in der ersten Phase die Kappe zu viel ab, so dass der Springer hier mit mehr Beschleunigung auf die Kappe wirkt. Eine größere Kraft wirkt auf den Springer, auf die auch die Kappe reagiert. Die Kappe öffnet aufgrund dieser Kräfte wesentlich unkontrollierter und damit schneller. In extremen Fällen kann das zu strukturellen Schäden an der Kappe führen.

Ein Hilfsschirm mit mäßiger Zugkraft bringt die Kappe bis zur Streckung der Leinen mit viel weniger Kraft. Auch das "line dump"-Problem wird verringert und die Packung wird ordentlich aus dem Pod kommen.

Obwohl ein Hilfsschirm mit mäßiger Zugkraft bessere Öffnungen produziert, kann er auch zu wenig Zugkraft haben. Das kann passieren, wenn er schon sehr alt ist, zu klein, eine Störung aufweist oder nicht richtig konstruiert ist. Die Gefahr hier ist offensichtlich. Der Hilfsschirm muss einfach korrekt funktionieren, ansonsten könnte wieder ein "baglock" oder eine Beschattung auftreten. Diese Probleme wurden in erster Linie mit Ripcord-Systemen, Pull-outs und Throw-away-Systemen beobachtet.

Speziell Performance Designs (Stiletto, Sabre, PD) weist darauf hin, dass die meisten, aber nicht alle Hilfsschirme der Fremdhersteller mit ihren Schirmen kompatibel sind. Ein Hilfsschirm aus dem leichten F-111 Gewebe sollte nicht mehr als 70 cm Durchmesser aufweisen. Etwas kleiner ist noch besser, sicherlich nicht größer.

Hilfsschirme aus Zero-Porosity-Gewebe (ZP) reagieren wesentlich sensibler auf das Design. Zwei gleich große aber unterschiedlich im Profil gemachte Hilfsschirme weisen große Unterschiede in der Zugkraft auf. Die ZP-Hilffschirme die PD getestet hat und die gut funktionierten, hatten einen Durchmesser 56 und 60 Zentimeter und ein relativ feinmaschiges Netz. Diese Hilfsschirme reagierten auch sensibler auf Unterschiede in der Einschlauflänge und auf die Festigkeit der Packgummis als herkömmliche Hilfsschirme.

Kollabierende Hilfsschirme können ebenfalls die Öffnung beeinflussen. Die "Shock-Cord" Konstruktion dieser Hilfsschirme ist schwierig herzustellen. Diese Art darf nur aus ZP-Material hergestellt werden. Verwende niemals einen F-111 "Shock-Cord" kollabierenden Hilfsschirm, dass kann tödlich enden, weil der Hilfsschirm seine Zugkraft aufgrund seiner Luftdurchlässigkeit abrupt ändert. PD hat bei seinen Tests fatale Probleme beobachten können.

 

4. Öffnungsgeschwindigkeit

Jeder, der schon einmal in einem steilen Track seinen Schirm geöffnet hat, weiß, dass dies harte Öffnungen zur Folge hat. Es ist jedoch so, dass jedes der oben beschriebenen Probleme auftreten kann, wenn die Fallgeschwindigkeit bei der Öffnung nur hoch genug ist. Wie schnell ist aber nun zu schnell? Das hängt davon ab, wie viel Sorgfalt der Springer auf die Faktoren Einschlaufen, Hilfsschirm und Einstecken in den Pod gelegt hat.
Engere Kombis und Bleiwesten haben zwar die Leistungen der Relativler erhöht, aber dafür stellen diese Umstände höhere Ansprüche an den Springer während der Öffnung. Du solltest unbedingt versuchen, so flach wie möglich zu tracken. Versuche, Deine Fallgeschwindigkeit zu verringern, während Du von den anderen Springern wegtrackst. Ein guter "Flare", um Deine Vorwärtsgeschwindigkeit zu verringern, wird Dir weichere Öffnungen bescheren. Etwas aufsitzen ist ebenfalls eine gute Methode, aber nicht zu früh, da Du sonst in dieser Position wieder Geschwindigkeit aufnimmst.

Wenn du auf hoch gelegenen Plätzen springst, treten die beschrieben Probleme leichter auf. Auf extrem hoch gelegenen Plätzen solltest Du einen etwas kleineren Hilfsschirm und ein längeres Bridle verwenden.

 

Fazit